Endspurt!

Paris, wir kommen!

Der letzte Tag war wirklich gnadenlos lang, denn es waren 100 Kilometer, die wir noch zu bewältigen hatten. Man spürte Paris näher kommen, denn der Verkehr nahm zu und die Infrastruktur wurde merklich städtischer. Als wir in Villeparisis landeten, glaubte ich schon eine Weile lang, wir seien bald da. Aber der schnurgerade Kanal, an dem wir entlang düsten, war noch ziemlich lang und unser Campingplatz befand sich im Westen der Stadt, was bedeutete, dass wir Paris praktisch einmal durchqueren mussten. Aus Erfahrung einer Busreise nach London wusste ich, dass man allein mit dem Durchqueren einer Metropole schon Stunden verbringen kann. Dann standen wir plötzlich mittendrin. In einem Trubel von Menschen, denn es war Wochenende und es gab einen großen Flohmarkt, mit dem sich unser Weg kreuzte. Aufgeregt waren wir drei schon ein wenig, zumal man aufpassen musste, sich an einer Ampel oder im Verkehr nicht zu verlieren. Ich versprach oftmals, dass wir in etwa einer halben Stunde am Ziel sein müssten, aber ich musste meine Schätzungen immer wieder um eine halbe Stunde hinausschieben, weil die Proportionen beim heran und herauszoomen der Karte sehr schwierig zu deuten waren. Man sollte sich als Navigator solche Aussagen wirklich verkneifen!

Pariser lieben nicht nur leidenschaftlich, sie fahren auch so leidenschaftlich Auto

Das Klischee, Paris sei aufgrund seines chaotischen Verkehrs sehr riskant, konnten wir drei jedenfalls nicht bestätigen. Die Pariser haben schnell gemerkt, dass wir nicht von dort waren und haben uns Zeichen gegeben, wo der Radweg ist, denn wir hatten anfangs einige Schwierigkeiten, uns zu orientieren. Und selbst als wir mitten im größten Kreisverkehr der Welt landeten, bremste man hinter uns zärtlich und rücksichtsvoll ab; hingegen man aber auch an anderer Stelle Autofahrer beobachten konnte, die gut und gerne mit 80 km/h durch die Lücken und in einer der Straßen verschwanden, die vom Kreisel abgehen.

Es dauerte eine gefühlte Ewigkeit, bis wir endlich im Westen der Stadt am Campingplatz ankamen. Kurz zuvor war ich ziemlich schwach und mir wurde fast schwarz vor Augen. An einem Baum hatte ich noch etwas gegessen und getrunken und mich wirklich die letzten Meter zusammengerissen, auch wenn das rechte Knie mir seit zwei Tagen sagte: Fahr mit dem Zug weiter. Kevin und Florian konnten von meinem Gejammer fast schon ein Lied singen und auch sie waren beide froh, dass wir das Ziel schon fast erreicht hatten.

Die erste Dusche nach über 7 Tagen

Eine Woche vor Karfreitag ging es los und wir kehrten am Ostersonntag zurück. Da wir erst abends los fuhren, kann man gut und gerne behaupten, dass wir in 7 Tagen das Ding durchgezogen haben – Ostersonntag war nur Rückfahrt mit der Bahn angesagt. Am Campingplatz angekommen, hatten wir zunächst das Finanzielle und die Formulare erledigt und sofort unsere Zelte aufgebaut. Der Hunger war groß aber noch viel größer was das Verlangen, warmes Wasser an seinen Körper zu spüren. Beinahe schon euphorisch betrat ich das Waschhaus auf dem Platz; begann unter Stöhnen und zufriedenem Grunzen die Kälte und den mittlerweile strengen Duft von meinem Körper zu verbannen, den man nach einigen Tagen ohne Badezimmer so an sich hat. Es gab anschließend weiße Bohnen in Tomatensauce und ich schlief beinahe so gut wie Zuhause; trotz der unbequemen Gewissheit, um fünf Uhr wieder aufstehen und die Zelte abbauen zu müssen.

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