Von Kirchen und Tieren

Als wir im verträumten Saint Juvin Halt machten, konnte ich der Versuchung nicht widerstehen, in diese Kirche und singen. Bei dieser Gelegenheit haben wir gleich unsere Handys aufgeladen, zumindest ein bisschen. Mein Gesang blieb nicht lange unbemerkt: eine ältere Dame kam hinein, fegte mit einem Besen den uralten Steinboden und lauschte mit einem verschmitzten Lächeln auf ihren Lippen meinem Gesang. Als ich gehen wollte und mich mit einem freundlichen Gruß und Nicken verabschiedete, kam offenbar zufällig ihre Tochter mit ihrem Auto vorgefahren und die Mutter ließ es sich nicht nehmen, von meinem Gesang zu schwärmen, worauf ich eingeladen wurde, nochmal etwas zu singen. Die beiden Frauen waren so verzückt, dass sie uns glatt zum Kaffee zu sich nach Hause bitten wollten. Stattdessen haben Kevin und ich freundlich dankend abgelehnt, aber die günstige Gelegenheit genutzt, um uns auf der Toilette der Tochter in ihrem Haus einige Meter von der Kirche entfernt zu erleichtern, mit Licht, Heizung, Klopapier und bunter Blümchentapete. Ein Traum!

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Dann kam dieser nette Bauer und brachte uns tatsächlich Kaffee, Zucker und redete mit uns – Englisch!

Eine Begegnung der besonderen Art hatten wir, als wir eines Morgens von einem Traktor geweckt und daran erinnert wurden, dass wir immer noch wild zelteten. Schnell packten wir alles zusammen und hofften, dass man Erbarmen mit uns hat. Der junge Bauer stieg schließlich entschlossen von seinem Traktor hinab und kam auf uns zu, mit einem freundlichen Gesichtsausdruck, zu unserer Erleichterung. Kurz fragte er uns, woher und wohin; wie lange und wie lange noch. Diese typischen Fragen eben, die wir auf unserer Reise von vielen Einheimischen gestellt bekommen haben. Der Bauer fragte dann eher beiläufig, ob wir Kaffee mögen und verschwand so schnell, wie er gekommen war.

Nach einiger Zeit kam der junge Kerl, maximal um die 35 Jahre alt, kurz wieder und fragte uns, ob wir jetzt Lust auf einen Kaffee hätten. Und wir drei sahen uns beinahe verstört an und glotzten nickend in seine Richtung und grinsten. Es dauerte keine weitere 10 Minuten und er kam in seinem Privatauto angefahren, stieg aus und trug ein Tablett mit einer Thermoskanne, Zucker, Löffeln und Bechern zu uns herüber. Wir kamen nun auf Englisch ins Gespräch, denn offenbar hatte ihn unser erbärmliches Französisch – wenn man das noch so nennen konnte – mehr verwirrt, als es ihm geholfen hätte. Er bekam außerdem noch eine kurze Probefahrt auf dem Liegerad angeboten, die er nicht ausschlagen konnte. Dann verabschiedeten wir uns herzlich von ihm und waren nun gestärkt für die folgenden Kilometer, ich glaube, an jenem Tag waren es 100.

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Auf unserer Reise hatten wir auch tierische Begegnungen mit Kühen, Pferden, Hunden, Spatzen, Eseln und Katzen. Besonders rührend fand ich, als Florian die Eisdecke eines zugefrorenen Wasserkübels aufbrach, damit der arme Esel wieder daraus trinken konnte. Auch faszinierend war die weiße Katze im Fenster, die uns überwachend beim Vorbeifahren musterte. Ein besonderer Dank gilt an dieser Stelle Kevin, der seine schwere Spiegelreflexkamera stets dabei und im Anschlag hatte und ohne den dieser Artikel beinahe trostlos wirken würde.

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Unglaublich fand ich auch das Verhalten von Spatzen, die uns in manchen Ortschaften uns begrüßten, einige Meter mit uns flogen und man fast meinen konnte, dass sie uns den Weg nach Paris zeigen wollten. Erschrocken hatten wir uns alle drei, als aus einer offenen Grundstückseinfahrt ein riesiger Hund bellend auf uns zugelaufen kam. Zunächst hatten wir uns furchtbar erschrocken, aber Hunde, die bellen, beißen ja bekanntlich nicht und dieses Klischee wurde glücklicherweise bestätigt. Auch eine Herde Schafe mit ihren Jungen war ein schöner Anblick, den wir genießen durften.

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