Gazelle Juweel

2003 kaufte ich mir das erste Hollandrad der Marke Gazelle. Der Ladenpreis belief sich auf 599 Euro. Es war Liebe auf den ersten Blick, denn die anderen beiden billigeren Modelle von Gelria (einer Tochterfirma von Gazelle) und einem wirklich billigen Hollandrad, konnten in Sachen Fahrgefühl längst nicht mithalten. Wer einmal so ein Rad bestiegen hat, weiß vielleicht, wovon ich rede. Es ist vergleichbar mit dem Führen eines LKWs und fühlt sich an, als ob man über den Asphalt hinwegbügelt. Ich habe in meiner Heimat am Niederrhein so manch schöne Tour mit der Juweel gemacht; selbst bei Eis und Schnee konnte mich niemand davon abhalten. Einige Jahre später wurde sie mit dem gefederten Sattel von Lepper zu einem unentbehrlichen Begleiter zur Arbeit, Schule und beim Einkauf.

Spezifikationen

Baujahr: 2002/2003

Schaltung: 5-Gang Nabe Sachs P5 mit Rücktritt

Rahmen: Stahl

Vordergabel: Fest, gemufft

Frontlicht: Basta Halogen

Rücklicht: Retro ohne Standlichtfunktion

Dynamo: Seitenläufer AXA

Bremse vorn:  Trommelbremse Sachs

Lenkervorbau: Nicht verstellbar

Kettenkasten: Gazelle Linea

Sattel: Selle Royal Gel

Sattelstütze: fest

Schloss: AXA SL7 mit Kette

Felgen: RVS Stahl

Gewicht: 22,1 kg

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Die Juweel in Oberfranken mit der neuen Gabel, diesmal ohne „Muffensausen“

Ein Hollandrad hat auch Grenzen

Die Vordergabel der Juweel war ursprünglich gemufft und als ich einige Jahre in Oberfranken gelebt und mit dem Rad vom Berg jeden Tag ins Tal gefahren bin, machte die Gabel irgendwann die Grätsche. Gazelle war kulant und ließ mir eine neue vor Ort einbauen, obwohl die 5 Jahre schon erreicht waren. Dennoch, auf meine Email habe ich bis heute keine Antwort, wie so etwas geschehen konnte. Denn dummerweise war der Gabelbruch genau dann passiert, als ich nicht damit rechnete und Lebensgefahr bestand – ich konnte mich gerade noch auf den Bürgersteig vor einem heranrauschenden LKW retten, als die Gabel plötzlich nachgab. Auslöser dafür war ein Haarriss an der Muffe. Ein Hollandrad ist also nicht für hügelige oder gebirgige Gebiete zu empfehlen, es sei denn, es handelt sich um einen Aluminiumrahmen von Gazelle mit einem anderen Bremssystem und niedrigerem Gewicht.

Eine Trommelbremse wirkt eben an einem anderen Punkt als eine Felgen- oder Scheibenbremse, nämlich genau an der Achse, die durch den hohen Gewichtsschwerpunkt des Fahrers bei Bergabfahrten gezwungen wird, das Gewicht über die Muffe nach vorn abzugeben, sodass diese über kurz oder lang einen Schwachpunkt darstellt; bedingt durch die Bremse, die die Achse zwingt, gegen die Fahrtrichtung nachzugeben. Wäre der Gewichtsschwerpunkt des Fahrers näher am Boden, wäre das eine andere Sache. Ich kann diese Art von Bremsen auf Fahrten mit einem anspruchsvollem Gefälle nicht empfehlen, aber ganz davon abgesehen sind diese Hollandräder auch selbst sehr schwer (22 Kilo), sodass selten jemand – außer ich – auf die Idee kommt und damit durch Hügel und Täler donnert. Dennoch war die Trommelbremse für mich beim Kauf schon eine Steigerung zu der konventionellen, alten Backenbremse, die man bei Regen schwer unter Kontrolle hatte.

Nie wieder bestimmte Bauteile aus Kunststoff!

Die Pedale der Juweel habe ich bereits nach einigen Wochen nach dem Kauf in den Orkus befördert. Denn diese Waren aus Kunststoff und einer rutschigen Gummibeschichtung. Sie wurden bei denDSC00999 Fahrten so heiß, dass der Kunststoff um das Kugellager herum heller wurde, was auf Hitze deutete und ich mich bis heute frage, ob das überhaupt ein Kugellager aus Edelstahl oder eine Polyesterausführung war. Für Tante Frieda, die damit ein paar mal pro Woche zum Supermarkt radelt, mag das genügen, aber für mich sollte es schon stabiler sein. Also tauschte ich sie gegen ein paar gebrachte Pedale von einem anderen Rad, in Edelstahlausführung und Gummibalken inklusive Reflektoren, aus. Zwar waren die Pedale immer noch nicht so rutschhemmend, wie ich das gern gehabt hätte, aber es genügte für meine Ansprüche zunächst einmal.

Ein anderes Thema ist der Kettenkasten. hier befinden sich vorne an der Kurbel auf der Ständerseite zwei Inbusschrauben aus Edelstahl, mit denen der Kettenkasten vorne gehalten wird. Die Schrauben sind allerdings in einem Kunststoffgewinde befestigt und waren vor meiner unerfahrenen Hand nicht lange sicher, sodass ich nach zu festem Anziehen das Gewinde fast zerstört hatte. Es gelang mir, das demolierte Gewinde mit einer anderen Schraube aus Kunststoff zu überlisten. Ich kann nur empfehlen, sich die Bauteile vor dem Kauf genau ansehen bzw. zeigen zu lassen, falls man zuhause selber Hand anlegen will; ein Rad macht sich eben auch an den Details bemerkbar, ob es etwas taugt. Gazelle hatte ich auf der Fahrradmesse in Köln davon berichtet und ihnen gesagt, dass ich es wirklich erbärmlich finde, dass man Kunststoffgewinde an ein so gutes Fahrrad baut.

Der Kettenkasten hat aber auch seine Vorteile. Er schützt die Kette vor Verschmutzung und verlängert die Lebensdauer erheblich, vorausgesetzt, man spannt die Kette immer schön und hält ein Auge auf die richtige Schmierung und Sauberkeit. Auch eine Kette in einem Kasten muss man hin und wieder einmal überprüfen, um die Fahr- und Bremseigenschaften immer in der bestmöglichen Funktion zu erhalten. Außerdem spricht die Schaltung besser an, wenn die Kette die richtige Spannung aufweist.

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